Ihr wollt immer nur das Eine!
4.11.2004, 17:47
abgelegt unter: Burn-out, Medien, Achtung Durchsage!



Nämlich mal möglichst rasch einen Burnout-Betroffenen, der sein Gesicht in die Kamera hält. Und je nach Artikellänge oder Anzahl Minuten für den Beitrag oder ob Ihr für die Aktualität berichtet oder mehr Vorbereitungszeit habt, seid Ihr Medienleute unterschiedlich druckvoll in Eurem Begehren (Diese Woche war immerhin Zeit für ein ausführliches Gespräch, und das fand ich gut. )

Es ist schade, dass Ihr immer nur das Eine von mir wollt. Denn das kann und will ich Euch nicht geben. Zum einen, weil Diskretion in meinem Job wichtiger ist als alles andere, zum anderen, weil die wenigsten Menschen in und auch nach einer solchen Krise Lust verspüren, öffentlich ihre Lebens- und Leidensgeschichte zu erzählen. Burnout ist Impotenz auf einer anderen Ebene – und wie viele Menschen kennt Ihr, die Lust haben, öffentlich über ihre Impotenz zu sprechen?

Ich finde außerdem, dass die Artikel, Sendungen, Beiträge, die Ihr macht, zu oft das gleiche langweilige Strickmuster aufweisen:

1. Kurze Erläuterung zum Burnout-Syndrom (mit einem oder mehreren Charts) – möglichst “knackig” und knapp auf den Punkt gebracht

2. Ein/e Burnout-Betroffene/r (“Es geht mir… Es ging mir… Es war als ob…” – man sieht sie/ihn dann eventuell wortlos durch den Stadtpark/das Fitnesstudio/ihre/seine Wohnung laufen, während eine Stimme aus dem Off die Lebens- und Leidensgeschichte erläutert. Schließlich der Schwenk zum Heute: “Tage-/monate-/jahrelang war sie/er weg vom Fenster… Sie/er hat in der Therapie viel gelernt… Heute ist alles… Künftig wird ihr/sein Leben…)

3. evtl. Experte (honoriger Mediziner, Psychologe, Psychiater, europäischer Verbandschef o.Ä.) , der knappe, präzise, treffende, universell gültige Expertenaussage trifft, was man gegen Burnout tut.

4. Ende

Das kennt man schon – oft einfältig, mit wenig Informationsgehalt, aber dafür mit einer “armen Sau”, die man als Zuschauer bedauern – dabei aber zugleich froh sein kann, dass man persönlich besser dran ist. Diese Menüfolge wird auch bei Kreutzfeldt-Jacob, Aids, Krebs, Legasthenie, Migräne, dem Fuchsbandwurm und diversen weiteren Krankheiten verwendet.

Und mal ganz ehrlich: Die allermeisten Menschen wissen mittlerweile, dass es das Phänomen Burnout gibt und haben auch eine zumindest vage Vorstellung davon, worum es sich dabei handelt. Mit dieser Art von Berichterstattung lockt man daher wahrscheinlich kaum noch jemand hinter dem Ofen hervor (und gerade dieses Jahr nicht, wo das Thema so boomt). Mensch seid doch mal kreativ! Laßt Euch doch mal was einfallen! Laßt Euch doch mal auf das Thema ein, statt immer nur fix ein bischen bezahlten Content zu produzieren!

Jaja, ich weiß, Eure Redaktionen wollen das so… Aber wozu eigentlich?

Das ist genau das, was alle anderen Sender, Zeitungen, Zeitschriften auch machen und oft ist es wichtiger, genau das zu haben, was der Wettbewerber auch hat, statt sich durch Andersartigkeit zu differenzieren?!

Ich glaube, dass wirklich viele diese Burnout-Beiträge mit Interesse sehen, und dieses Problem eines anderen als Problem eines anderen aufnehmen. Der Transfer auf die eigene Situation ist schwer, wenn ein entsprechender “Fall” präsentiert wird. Insofern hat m.E. eine solche Berichterstattung wenig burnout-präventive / aufklärerische Wirkung. Aber das soll sie ja wahrscheinlich auch gar nicht!

OK, ich gebs zu. Das hier ist jetzt wirklich böse von mir. Und vielleicht ruft mich nie wieder ein Journalist an. Das wäre schade. Aber vielleicht ruft mich ja auch mal jemand an, der was Kreatives im Kopf hat und wir denken zusammen darüber nach, was man noch alles so Spannendes rund ums Thema machen könnte ?

(Und ich schwöre, am Telefon bin ich wirklich nett!)



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[...] ührungen zu den aktuellen Entwicklungen in der Medienlandschaft zufolge liege ich mit meinen Beobachtung nun also offiziell im Tren [...]

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