small world-Risiken oder: reminds me of you…
16.03.2005, 00:03
abgelegt unter: Allgemein, Achtung Durchsage!, Burn-out-Hype



Nie war die Welt so klein wie heute, nie hat man so viel Wert auf Vernetzung – Networking gelegt, nie gab es mehr Transparenz als im Internetzeitalter. Wir nennen es globales Dorf und versuchen es zu nutzen, um ein positives Bild von uns zu vermitteln. Allzu leicht wird dabei vergessen, dass die Dächer des Dorfes von pfeifenden Spatzen besetzt sind und dass die Welt uns ganz sieht – eben nicht nur das vorne-HUI sondern auch das hinten-PFUI! Ich bin nachgerade geschockt über das was ich in letzter Zeit so von anderen an pfui gelesen, gehört und gesehen habe. Sei das jetzt substanzlose üble Nachrede von Kollegen über Kollegen, öffentliche Diffamierung unter falschem Namen als Wettbewerbsmittel, das Begehen krimineller Handlungen bei der Zusammenarbeit mit anderen oder Selbstbedienung an der Arbeit und dem geistigen Eigentum anderer. Und es ist mir ein echtes Rätsel, wie man so kurzsichtig agieren kann.

“Märkte sind Gespräche” sagt uns das Cluetrain Manifest. Denkt man mal genauer drüber nach: Wer möchte schon so einen Eindruck hinterlassen? Und wer glaubt, dass er mit solchen Mitteln in der Gunst seiner (potenziellen) Kunden steigt?

Nachdem mir auch in eigener Angelegenheit in den letzten Wochen diverse Spatzen erschienen sind, bin ich wiederholt versucht gewesen, hier Stellung zu nehmen, habe allerdings immer noch mit mir um die Verpackung gerungen. Mir scheint ein Zitat von Bernd Röthlingshöfer , Autor von “Werbung mit kleinem Budget”, treffend:

“Die Nachahmer-Falle: Die anderen werben so, also werbe ich auch so. Nichts ist schlimmer, als einen erfolgreicheren Konkurrenten nachzuahmen und ihn dann doch nie zu erreichen. Denn der Nachgeahmte ist immer einen Schritt voraus. Und Sie hinken ewig hinterher.”(E-Book “Wer macht eigentlich Werbung für kleines Budget”, S. 12, erhältlich auf seiner Seite)

Detaillierter möchte ich hier nicht werden, zumal es nicht um eine einzelne Person geht und öffentliche Schlammschlacht meine Sache nicht ist. Eher bilaterale Auseinandersetzung, die erfreulicherweise bisher immer gut funktioniert hat. Oder sollte ich jetzt eine Rubrik “ohne Gänsefüßchen der Woche” einführen? So ganz alttestamentarisch? Bitte nicht! Besonders schlimm finde ich fehlende moralische Solidität im Coaching- und Beratungs-Bereich. Schließlich haben wir den Anspruch, Vertrauens- und integrer Gesprächspartner unserer Kunden zu sein und befassen uns auch mit Werten. Sollten wir zumindest. An diese appelliere ich jetzt auch. Fairer Wettbewerb mit kompetenten Mitbewerbern ist eine ebenso sportliche Sache im Sinne des Kunden wie vertrauensvolle, verläßliche Kooperation mit den richtigen Partnern. Ich-auch-schnell-Geld-verdienen-will ohne Substanz ist nicht im Sinne unserer Kunden und Mimikry die Krönung: unfaires auf-fremder-Farbfläche-Verstecken und eigene Profilierungsmöglichkeiten verschenken.

btw: Hatte ich schon erwähnt, dass ich häufiger Kollegen und Kolleginnen berate, die sich mit ihrer Positionierung beschäftigen und ein eigenständiges Profil zulegen möchten, um sich deutlich von der Fläche abzuheben?

Ansonsten fühle ich mich natürlich geehrt, zitiert zu werden (bitte mit Gänsefüßchen und Quellenangabe, für kommerzielle Zwecke bitte nur mit meiner Zustimmung)
;-)



Stichwortsuche:
none


7 Kommentare bisher
Kommentieren

Erwachsene Arbeitnehmer haben einen Kooperationsvertrag mit ihrem Arbeitgeber und keinen Erziehungsvertrag… Coaching ist zwischen meinen Ohren negativ besetzt – dann doch lieber “Beratung” und den Leuten zu Antworten auf ihre eigene Fragen verhelfen, anstatt die Leute so zu “erziehen”, dass sie wie ihr Coach werden oder dem Ideal entsprechen, welches Coach und/oder Arbeitgeber für den Prozess auserkoren haben. Da lob ich mir das Potential aus Unterschieden und nicht das Angleichen an einen “Ubermenschen” (der sich zumindest selbst so versteht).

Comment by Digestif 16.03.05 @ 14:50

Hallo Digestif,

vielen Dank für Ihr Plädoyer für Unterschiede! Da bin ich sofort mit dabei und gleichzeitig erstaunt, dass Coaching, Erziehung, Angleichen und Übermensch zusammen gesehen werden können.

Ist die negative Begriffsbesetzung von Coaching als Erziehung durch schlecht Erfahrung mit Coaching im Zusammenhang mit Ihrem Arbeitgeber entstanden?
Oder sind Sie Berater und meinen Sie mich persönlich?
Verraten Sie mir mehr?

Comment by Stephanie Dann 17.03.05 @ 13:05

Coaching kommt aus dem Bewusstsein der Überlegenheit: “Ich weiß es besser!”. Man versucht Persönlichkeitslücken auszu-gleichen-. Den MA entwickeln, ihm etwas beibringen, was er noch nicht so richtig kann, auf Fehler hinweisen, in kritischen Situationen Rat-schläge- anbieten, loben und tadeln. Was gut und richtig ist, weiß und entscheidet der Coach. Man setzt eine Form individueller Bedürftigkeit der MA voraus und will ihn “therapieren”. Er hat weniger Kompetenz, Fähigkeit, Know-How -. Ja sein Anderssein ist rückständig. Dem Coach gehts doch nicht um das Ergründen der Wahrheit (Interessen, Perspektiven, pers. Ziele, Antriebe usw.) des Anderen, sondern darum, seine eigene in ihn einzupflanzen zu können. Das ist instrumentelles Bearbeiten des Anderen. “Ich weiß was gut und richtig ist, sage es dir aber nicht, sondern du musst es selbst herausfinden und ich warte so lange bis du die richtige Entscheidung getroffen hast” ...dann hat man “modern gecoacht” oder “Machen Sie mal einen Vorschlag und der sollte so aussehen…”. Mit welchem Recht maßt sich da jemand an, einen anderen ändern zu wollen? Hat der AN mit seinem AG einen expliziten Heilungsvertrag wie beim Arzt? Jeder will der sein, der er ist, und er will das tun können, was seiner eigenen Einsicht entspricht oder anders “Vielen Dank, aber ich bin nicht sonderlich interessiert, wie Sie zu werden!”.

ein mündiger/interessierter Bürger ;-)

Comment by Digestif 17.03.05 @ 17:05

Vielleicht noch nachträglich: ich richte mich nicht direkt gegen Sie, sondern gegen sog. Coaching, welches Sie (soweit ich es überflogen habe) auch verkaufen. Ich respektiere und begrüße ihr BOS-Präventationsangebot und vermute dahinter auch eher Beratung als das eindringliche und eindrigende Bearbeiten von Angestellten. Es sind daher eher moralische Bedenken von meiner Seite. Das man mit Hype, Buzzwords und Co. Geld verdient, ist mir bewusst.

Comment by Digestif 17.03.05 @ 17:21

Hallo Digestif,

Sie schrieben:
“Coaching kommt aus dem Bewusstsein der Überlegenheit: “Ich weiß es besser!”

Da muß ich Ihnen widersprechen. Nicht nur weil ich mich nicht überlegen, sondern als Partner auf gleicher Augenhöhe verstehe und auch weil ich diese global formulierte Regel sonst noch nirgends gehört habe. Seriöses Coaching zeichnet sich durch die Einhaltung einigen Spielregeln aus, die ganz besonders dafür da sind, dass eine solchermaßen machtverzerrte Beziehung nicht entsteht.

Coaching-Report.de bietet sehr viel Information über Coaching und auch überQualitätskriterien. Von dort stammt auch die folgende Passage:

“Eine gute Strukturqualität ist dann möglich, wenn der Klient freiwillig das Coaching wünscht und veränderungsbereit ist. Als Prozessberater ist es die Aufgabe des Coachs, dies möglichst vor dem Coaching zu klären und ggf. anderslautende Aufträge (Manipulation, Funktionalierung nach dem Motto “Bringen Sie uns Herrn X mal wieder in Ordnung.”) klar begründet abzulehnen. Wer sich nicht beraten lassen will oder unter Zwang beraten werden soll, kann nicht beraten werden. Anderslautende Aufträge von Personal(entwicklungs)abteilungen sind deswegen zurückzuweisen, weil weder für den Klienten noch für den Coach ein fruchtbarer (d.h. qualitativ guter) Prozess entstehen dürfte.”

Dem fühle ich mich verpflichtet. Ich möchte nicht ausschließen, dass es auf dem Coaching-Markt Personen gibt, die so agieren wie Sie es beschreiben, allerdings ist mir auch unter meinen Kollegen niemand bekannt, der mit einer Haltung wie von Ihnen beschrieben coacht.

Sie schrieben:
“Man setzt eine Form individueller Bedürftigkeit der MA voraus und will ihn “therapieren”. Er hat weniger Kompetenz, Fähigkeit, Know-How”
Das kenne ich in dieser Form auch nicht. Nach meiner Wahrnehmung wird es seitens der Führungskraft/des Mitarbeiters eher als Zeichen höchster Wertschätzung durch den Arbeitgeber verstanden, ihm einen persönlichen Berater (nicht Rat-Schläger) für seine individuellen Belange zur Seite zu stellen, denn als Zeichen individueller Bedürftigkeit. Unternehmensseitig ist niemand daran interessiert, für teuer Geld Mitarbeiter mit weniger Kompetenz zu therapieren – die Kosten für Psychotherapie gehen zu Lasten der Krankenkasse.

Sie unterschrieben:
“ein mündiger/interessierter Bürger ;-)”
Das finde ich nicht gut. Zwar sind wir hier im Internet, aber dieses Blog ist nicht irgendein x-beliebiges anonymes Forum. Insofern finde ich es nicht fair, dass Sie sozusagen einen ganzen Berufsstand verurteilen und das aus der (vermeintlichen*) Anonymität heraus.

*Ihre IP-Adresse wird mit jedem Kommentar mitgeliefert ;-)

Comment by Stephanie Dann 24.03.05 @ 23:28

Das Sie sich an moralische Grundwerte ihres Berufsstandes halten, ehrt Sie. Wie Sie aber selbst schreiben, gibt es Coachs, denen die Existenz solcher entgangen ist oder bei denen solche Werte einfachen zwischen Coach und monäteren Hardfacts stehen. Sicherlich von Charakter zu Charakter und Bankkonto unterschiedlich.

Sie schreiben:
> Nach meiner Wahrnehmung wird es seitens der Führungskraft/des > Mitarbeiters eher als Zeichen höchster Wertschätzung durch den > Arbeitgeber verstanden

Werde ich von meinem Chef geschätzt, wenn er meint, mich korrigieren zu müssen/lassen? Ist das Wertschätzung oder doch eine Form von Desinteresse an meiner Person. Er will etwas aus mir machen, dass _er_ urspr. für sinnvoll hält. Drehen wir das doch einmal um und lassen die folgende wertschätzende Forderung wirken: “Chef, lassen sie sich coachen, damit Sie kompetenter und fähiger werden!”.

Wenn Personen wirklich selbst entscheiden (nicht dazu gedrängt werden), dann sollen sie sich gerne coachen lassen. Dann empfinden sie wohl einen Mangel oder sind auf dem Kurs der Selbstkonstruktion.

Das Hinzuziehen Ihrer Person als Coach empfinden Sie laut der dargestelten Wahrnehmung als höchste Wertschätzung des Mitarbeiters durch seinen Chef. Wodurch soll er die Wertschätzung empfinden? Fürsorge?

Die Frage, was diese vielleicht selektive Wahrnehmung noch rechtfertigt, lasse ich ungestellt. Oops… ;-)

@IP:
Eine konträre Meinung ergibt keine Möglichkeit, personenbezogene Daten hinter einer IP von einem Provider durch eine dafür berechtigte Stelle anfordern zu können. Ich bin kein Berater – weitere Angaben geben weder ihnen, noch anderen, verwertbare Informationen oder verfälschen meine Inhalte durch Mutmaßungen. Im Grunde habe ich Nachteile und sie keinen nutzbringenden Vorteil. Ich kann auch aktuell zu einer trastischeren Meinung stehen ohne das sie mir in einigen Jahren indirekt wieder begegnet und ich auf die Rezeption keinen Einfluss habe.

Comment by Digestif 25.03.05 @ 03:40

Ups, sorry, dass ich Ihren Kommentar mit Verspätung freischalte. Habe ihn nach einigen Tagen Erholzeit gerade erst entdeckt.

Sie schrieben
“Wie Sie aber selbst schreiben, gibt es Coachs, denen die Existenz solcher entgangen ist oder bei denen solche Werte einfachen zwischen Coach und monäteren Hardfacts stehen.”
Ein Mißverständnis. Jetzt wird mir aber auch Ihr Bezug zu meinem ursprünglichen Posting deutlich. Das was ich geschrieben habe bezog sich nicht in erster Linie auf Coaches, sondern auf Begebenheiten im Netzwerk. Darunter sind Menschen vieler verschiedenster Professionen: Unternehmens-, Persönlichkeit-, Lebensberater, Trainer, Leute, die irgendwelche Waren verkaufen, Betreiber von Internetportalen, Führungskräfte hier und da und dort, und viele andere. Insofern war meine Kritik nicht auf Coaches gerichtet. Gebe zu, dass ich das hätte sauberer darstellen können.

Über Coaching wider Willen brauchen wir uns eigentlich gar nicht zu unterhalten. Das ist aus meiner Sicht wie schon gesagt überhaupt nicht gangbar und da bin ich genau Ihrer Meinung. Was mich betrifft: Bisher ist es in 100% der Fälle andersherum gelaufen: Dass ein Mitarbeiter gecoacht werden wollte und deswegen auf seinen Chef zugegangen ist. Und anders läuft das mit mir auch nicht.

wegen IP:
Da Sie sehr kämpferisch auftreten – manches könnte man als Angriff verstehen – und mir bisher nicht so recht deutlich ist, mit welcher Intention, wollte ich Sie rein vorsorglich darauf hinweisen. Ich habe nichts dagegen, wenn Sie Anonymität nutzen, uns daran teilhaben zu lassen, was Ihnen passiert ist und Sie zu dieser Meinung gebracht hat. Vielleicht können wir alle noch was daraus lernen und bestimmt interessiert das auch viele Leser. Wenn Sie Anonymität nur nutzen wollen, um einen Berufsstand zu diskreditieren, ist das hier die falsche Plattform.

Comment by Stephanie Dann 6.04.05 @ 09:26



Kommentieren
Dieses Blog ist nicht mehr aktiv. Kommentarfunktion ist deaktiviert. Bitte wundern Sie sich nicht, wenn Ihr Kommentar nicht gleich erscheint. Da ich nicht immer da bin, um das Burnout Blog von Spam u.Ä. freizuhalten, gebe ich eingegangene Kommentare manuell frei. Ihre E-Mail-Adresse wird im Kommentar nicht angezeigt. HTML darf verwendet werden: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <code> <em> <i> <strike> <strong>

(required)

(required)



Warning: main() [function.main]: Unable to access sk2_functions.php in /home/www/htdocs/ichkannsonichtarbeiten.net/blog/wp-content/plugins/SK2/sk2_util_class.php on line 2

Warning: main(sk2_functions.php) [function.main]: failed to create stream: No such file or directory in /home/www/htdocs/ichkannsonichtarbeiten.net/blog/wp-content/plugins/SK2/sk2_util_class.php on line 2

Warning: main() [function.main]: Failed opening 'sk2_functions.php' for inclusion (include_path='') in /home/www/htdocs/ichkannsonichtarbeiten.net/blog/wp-content/plugins/SK2/sk2_util_class.php on line 2