Knackig: Christian Kortmanns “Wir müssen draußen bleiben” in der Süddeutschen über die Generation Praktikum.
Interessanter Exkurs über die Fullersche Theorie des Rankism:
“Ein begriffliches Instrumentarium, um die eigene Lage transparent zu machen, ohne gleich als Horde ideenloser Jammerlappen und Versager dazustehen, gibt der Generation Praktikum der Physikprofessor Robert W. Fuller an die Hand. Der Amerikaner hat in seinem 2003 erschienenen Buch „Somebodies and Nobodies: Overcoming the Abuse of Rank“ die Theorie des rankism entworfen. Fuller zeigt, wie Menschen, die schwach sind, weil sie keinen offiziellen Rang innehaben, von ranghöheren Personen zwecks eigenen Machterhalts diskriminiert werden. ...
Fullers Analyse trifft auf die gegenwärtige Lage zu: Die Wehrlosigkeit mangels beruflichen Ranges ist es ja, der die Degradierung der Berufsanfänger zu Bittstellern und ihren Missbrauch als Gratis-Praktikanten ermöglicht. Laut Fuller ist rankism die große soziale Seuche der modernen Gesellschaften. Denn nicht nur die Nobodies leiden unter den Rangbarrieren, die ihr Tätigkeitsfeld streng limitieren sowie Einsatz und Qualität nicht belohnen: Modekrankheiten wie das Burn-out-Syndrom werden erst dadurch ermöglicht, dass jemand sich in seine Rolle als Somebody hinein steigert und in der Angst, wieder zum Nobody zu werden, seine Kräfte nicht vernünftig einteilt. “
Wie wahr! Ich würde zwar nicht unterschreiben, dass “jemand sich in seine Rolle als Somebody” hineinsteigern muß, um gefährdet zu sein, allerdings ist es schon so, dass viele sich auch unter ungesündesten Arbeitsbedingungen (z.B. 70-Stunden-Woche ist normal im Team, es gehört zur Firmenkultur, dass man abends noch was zusammen macht, niemand sagt, was er wirklich über die ineffiziente Dauermeetingkultur denkt, alle Kollegen verbringen die Mittagspause – so es eine gibt – vorm Bildschirm etc.) sehr angepaßt verhalten, weil sie Sanktionierung fürchten (Konflikte, Mobbing, Verlust von Aufstiegsmöglichkeiten, Arbeitsplatzverlust, ....).
Glücklicherweise ist es mittlerweile in Ernstfällen, in denen unabdingbare Veränderungen in den Arbeitsgewohnheiten mit dem Chef / der Chefin besprochen werden müssen, immer häufiger so, dass man ”überraschenderweise” auf Verständnis trifft und offene Türen einrennt. Es ist schon erstaunlich, wie ganze Teams von Burnout-Befürchtern unter solchen Bedingungen miteinander arbeiten, ohne dass der Einzelne jemals auf die Idee käme, dass er nicht der Einzige ist, der unter der Last strauchelt. Dieses Isolationsphänomen kann ich gut der Rankism-These zuschreiben.
Hervorragend gefallen mir auch die Ausführungen zu den Personalauswahlverfahren für die Generation-P-ler und der Haltung, die dabei mitschwingt:
“Du bist doch eh nur ein Dreitausendfünfhundertstelmensch!”
Wenn das nicht gesellschaftlicher Mainstream auch jenseits der Rekrutierung ist!
weitere Gedanken zu Personal, Personalentwicklung, Personalpolitik:
Personaler sind nette Menschen
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