Stellenangebotstext: ”... Sie zeichnen sich durch hohe Stress- und Frustrationstoleranz aus …”
im Wörterbuch nachgeschlagen
zu Stress:
“Stress (alt: Streß) [engl.] m. 1 anhaltende körperl. oder geistige Belastung durch Überbeanspruchung oder schädl. Reize “
(bischen spartanisch, das, und nicht allumfassend, aber das ist eben ein Lexikon)
zur Frustration:
“Frus|tra|ti|on auch: Frust|ra|ti|on [lat.] f. 10 Enttäuschung durch einen erzwungenen Verzicht, Frust “
Die Silbentrennung Frust-Ration ist besonders sprechend. :-)
zur Toleranz:
“To|le|ranz 1. f. 10 nur Sg. Duldsamkeit, Nachsicht; Ggs.: Intoleranz; 2. f. 10 zulässige Abweichung “
Eigentlich passt Duldsamkeit nicht so richtig in den Anforderungskatalog, den man gemeinhin an Führungskräfte wahrnimmt. Als Fremdwort Toleranz dagegen ruft es selten Stirnrunzeln hervor.
Dauerhafte Duldsamkeit gegen Überbeanspruchung und Enttäuschung ist wahrlich eine Auszeichnung wert. Aber ob sie jemanden auszeichnet?
Wörtlich genommen läßt das Stellenangebot nichts Gutes erwarten…
Und sehr ehrlich, die Menschen, die die Anzeige so gemacht haben, diesen Umstand potenziellen Bewerbern gleich vorab bekanntzugeben!
All jene, die sich auf diesen Job bewerben oder einen so einst beschriebenen machen (und alle anderen auch), bitte ich im Interesse ihrer Gesundheit, sich FRÜHZEITIG mit individueller Burn-out-Prävention zu beschäftigen und/oder ihren Ansprechpartner bei der Personalentwicklung FRÜHZEITIG zu involvieren. Dort stoßen Sie im persönlichen Gespräch oftmals auf offene Ohren. Sind doch HR-Menschen üblicherweise nicht daran interessiert, die teuer eingekauften H-Ressourcen schon bald dem Verschleiß anheimzugeben, kündigungsbedingt zu verlieren oder im Krankheitsfall monatelang auf dem Ausfallproblem zu sitzen. Vorgesetzte finden das auch nicht klasse, wenn einer “umkippt” und sie dann mächtig basteln müssen. Frühzeitig ist besser für alle. Geben Sie gern meine Adresse weiter…
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5 Kommentare bisher
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Hallo Siegie,
Danke für Deinen Kommentar! Mir ging es erstmal nur darum, dass ehrliche Menschen in den Unternehmen Bewerbern viele Hinweise in bezug auf belastende Begleitumstände bei Jobs geben. Vertragswerke so zu prüfen ist aber ganz sicher auch eine gute Idee
;-)
Gruß nach Frankfurt…
Comment by Stephanie Dann 17.05.05 @ 08:35Hallo Steffi,
vielen Dank für dein Feedback.
ich fand an deinem Beitrag so gut, daß du die Allerweltswörter
-Stress
-Frustration
-Toleranz
mal ausdrücklich erklärt hast.
Meiner Meinung nach werden gerade diese Ausdrücke von jedermann in jeder x-beliebigen Situation in den Mund genommen und darum sind sie inzwischen so abgelutscht, daß sie eigentlich nichts mehr sagen und nicht mehr ernstgenommen werden.
Stress? Na, ein gewisses Mass an Stress hat doch heutzutage jeder, das ist doch fast schon ein Statussymbol. Weil wer keinen Stress hat, von dem will wohl keiner was, der macht doch irgendwie was verkehrt.
Frustration? Wird zwar nicht soo häufig gebraucht, aber ich denke schon, daß sich bei manchen auch Frust breit macht, wenn man Mittwochs und Samstags den Lottoschein wieder zerreissen kann, weil es wieder nix geworden is mit dem Tschäckpott.
Toleranz? Ja, traut sich denn heutzutage überhaupt jemand zu sagen, daß er gegen irgendwas intolerant ist? Man muss doch in dieser Zeit gegenüber alles und jedem tolerant sein, sogar gegen Stress-, Frustration und Säbelzahntiger. Toleranz ist doch die absolut positive Eigenschaft des modernen, globalisierten Menschen mit weitem Horizont. Also ich bin ja der Meinung, daß das Toleranz-suffix die beiden vorangestellten Begriffe Stress und Frustration geradezu noch adelt.
Letztlich ist die Auslegung Interpretatiossache zwischen Sender und Empfänger der Information. Die Frage ist tatsächlich, ob der Leser das in der Anzeige lesen will, was der Schreiber reingeschrieben hat.
Und dein Appell, damit aufzuhören, sich selbst zu belügen, obwohl man die Wahrheit irgendwie kennt, ist durchaus bei mir angekommen.
Winke, Winke
Siegie
Comment by Siegie 21.05.05 @ 08:33Endlch mal Alltagswörter erklärt.
Vielen Dank.
Und wohere kommt der “Ich kann so nicht arbeiten”?
“Bei Brekkies .haben sie neues Katzenfutter entwickelt. Leider in weiß, und weil keiner so genau weiß, ob das nicht doch mit Katzenstreu verwechselt werden könnte, machen sie erstmal einen internen Test mit 3 Katzen.
Die erste ist die des Hausarchitekten: Die kommt rein, schnuppert, frißt sich satt, schussert die restlichen durch´s Zimmer, legt sich in die Ecke und schläft dann sichtlich zufrieden ein.
Das zweite ist die Katze des Wirtschaftsprüfers. Die schnuppert auch, verzieht dann aber das Gesicht, legt sich in die andere ecke und pennt ebenfalls.
Das dritte ist der Kater des Werbefilmproduzenten. Der zerhackt das weiße Futter zu Staub, zieht es sich am Strohhalm durch die Nase rein, verputzt dann die beiden Katzen in den Ecken und schmeißt sich dann auf den Rücken und ruft: “Kinder, so kann ich nicht arbeiten!”
Comment by Thomas Fuegner 20.08.05 @ 16:26Hallo Herr Fügner,
schmunzel
vielen Dank für den Beitrag zur Ätiologie ;-)
Ich habe leider überhaupt keine Ahnung, wo “ich kann so nicht arbeiten” ursprünglich herkommt (Beiträge von kundigen Lesern werden hier ab sofort gern entgegengenommen! :-).
Ich war auf der Suche nach einer Aussage, die das Empfinden vieler im Zusammenhang mir ihrer Arbeit treffend wiedergibt, als mir eine Kollegin diesen Ausruf entgegenschleuderte. Der wars einfach!
Comment by Stephanie Dann 22.08.05 @ 09:31Kommentieren
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Danke für die Deutschstunde, Steffi!
Tatsächlich wurden die geschilderten Begriffe durch häufigen, häufigeren und gehäuft auch sinnlosen Gebrauch zu Allerweltswörtern abgelutscht, breitgetreten und verwässert.
Es macht sicherlich Sinn, sich vor dem Unterzeichnen von Vertragswerken jeglicher Art mit einem Wörterbuch hinzusetzen und zu ergründen, welche bittere Wahrheit in Gemeinplätzen versteckt sein könnte und welcher Blankoscheck einem zum Unterschreiben vorgelegt wurde.
Winke, winke
Siegie
Comment by Siegie 15.05.05 @ 10:48