In einer Meldung über Radsportlerin Hanka Kupfernagel wird am Rande erwähnt, dass sie im letzten Jahr mit Burn-out zu tun hatte:
“Dabei durfte das Duo nicht überdrehen. Denn im Sommer hatte das “Burn-out-Syndrom” Hanka in die Knie gezwungen. “Die Belastung mit Cross, Straße und Bahn war zuviel”, sagt sie.”
Wie so oft in den Medien wurde auch hier der Begriff in Anführungszeichen verpackt. Je nach Kontext mutet das manchmal seltsam an. Ich finde es macht den Begriff irgendwie unernst-gemeint, aber vielleicht bin ich da auch zu kritisch.
Zum Vergleich:
Er hatte einen Herzinfarkt.
versus
Er hatte einen “Herzinfarkt”.
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5 Kommentare bisher
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Und hier in einem Artikel über die Situation von Hausärzten in Eisenhüttenstadt gleich die nächste “Burn out”-Stelle.
Ich vermute, dass die Anführungszeichen Ausdruck der Unsicherheit des Schreibers sind, ob das nun wirklich eine “offizielle” Krankheit ist oder nicht (weil immer noch viele Leute genau danach fragen.).
Ergänzung zur Inflationierung der Begriffsverwendung: Nicht jede Lebenskrise und nicht jeder Unglücksfall ist ein Burnout.
Comment by Stephanie Dann 11.01.06 @ 12:56Bastian Sick hat zu dem Thema einen wundervollen Zwiebelfisch-Artikel geschrieben unter dem Titel “Krieg der Häkchen”. Ich zitiere mal die wichtigste Stelle daraus:
“Anführungszeichen, umgangssprachlich auch Gänsefüßchen genannt, erfüllen vier unterschiedliche Funktionen.
Erstens dienen sie der Ein- und Ausleitung direkter Rede:
“Das hätten wir geschafft!”, rief er.
“Ich heiße Sabine”, sagte Sabine, “und wie heißt du?”
Zweitens dienen Anführungszeichen dazu, Zitate kenntlich zu machen:
Der Ausspruch “Erlaubt ist, was gefällt” stammt von Goethe.
In der Bibel steht: “Du sollst nicht töten.”
Drittens dienen Anführungszeichen der Hervorhebung einzelner Wörter oder Wortgruppen:
Das Wort “Standard” schreibt sich am Ende mit “d”.
Unter dem Stichwort “Liebe” findet man mehr als tausend Einträge.
In Anführungszeichen stehen Namen von Zeitungen, Zeitschriften, Buchtiteln, Kinofilmen, Fernsehsendungen, Musikstücken, Kunstobjekten und Bühnenwerken, um dem Leser zu signalisieren: “Achtung, dies ist ein Name!” Mozarts “Figaro” ist eben nicht der Mann, der Mozart die Haare frisierte, sondern eine Mozartoper. Und wenn man liest: Er sah jeden Montag als erstes in den “Spiegel”, dann weiß man, dass damit nicht der Badezimmerspiegel, sondern das Nachrichtenmagazin gemeint ist. Ich komme übrigens jeden Morgen auf dem Weg zur Arbeit am “Atlantik” vorbei. Stünden die Anführungszeichen nicht da, so könnte man jetzt denken, ich wohnte am Meer. Das “Atlantik” ist aber ein Hotel. Auch Namen von Hotels, Schiffen und Gaststätten können in Anführungszeichen stehen.
Viertens dienen Anführungszeichen dazu, um Ironie, eine Wortspielerei oder eine Distanzierung kenntlich zu machen. Letzteres ist zum Beispiel häufig bei der Verwendung von Begriffen der Fall, die historisch belastet sind oder einen ethisch verwerflichen Vorgang in schönfärberischer Weise beschreiben, so wie das Wort “Säuberung”, das in Wahrheit oft eine zutiefst schmutzige, wenn nicht gar blutige Angelegenheit bedeutet. Die “Bild”-Zeitung hat die Abkürzung DDR stets in Anführungszeichen gesetzt, um deutlich zu machen, dass sie die DDR nicht anerkannte.
Anführungszeichen weisen auf das anders Gemeinte hin, sie dienen der Hervorhebung, aber nicht der Betonung.[...]
Eine Betonung soll ja erreichen, dass einem das Wort in seiner primären Bedeutung sofort ins Auge springt. Anführungszeichen aber lenken die Aufmerksamkeit von der primären Bedeutung auf eine übertragene Bedeutung.”
Im vorliegenden Fall ist keins der vier Kriterien erfüllt. Die Anführungszeichen sind damit schlicht falsch.
Gruß
Ralf
Vorausgesetzt man kann ausschließen, dass der Schreiber ironischen oder distanziererischen Absichten hatte…
Vielen Dank für die kompetente Erläuterung. Wie ich sehe, bist Du 2006 in Bestform. ;-)
Comment by Stephanie Dann 11.01.06 @ 17:05Kommentieren
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gut beobachtet….ich find auch dass es ohne zeichen dastehen sollte, mir zeigt das auf dass es menschen gibt die diesen begriff oder diese diagnose nicht wirklich ernst nehmen oder wahrnehmen können…dazuhin kommt dass heutzutage schnell einmal von einem burnout geredet wird obschon noch keins da ist(was ja zwar auch gut ist), wie man auch zu voreillig das wort depression in den mund nimmt, nicht jeder der trübe gedanken hat ist gleich depressiv!
Comment by bluetime 11.01.06 @ 09:22