Hitzfeld über Burnout
14.10.2005, 20:05
abgelegt unter: Burn-out, Burnout-Promis



Das kam gerade vom Jobblog rein:

Das 4. internationales Alpensymposium in Interlaken hat
“Work-Life-Balance und Life-Leadership: Mehr Lust auf Leistung – ein gesundes Leben ohne BurnOut” zum Thema. U.a. referiert Ottmar Hitzfeld über “Der richtige Moment! – Das TimeOut vor dem BurnOut”

Frühere Meldungen zu Ottmar Hitzfeld auf dem Burnout Blog

Ottmar Hitzfeld hat sich zurückgemeldet

Chapeau Ottmar Hitzfeld und hle!



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unbalanciert
15.04.2005, 10:16
abgelegt unter: Burn-out, Coaching



“Mir kam die Trennung zwischen Arbeit und Leben schon immer merkwürdig vor. Arbeit gehört zum Leben, ist Teilmenge davon und mitnichten Gegensatz.” – Kommentar von Stephan List auf Interessante Zeiten zum Beitrag “Leben in Balance” in Jo´s Jobwelt

Work-Life-Balance
Am W und am L habe ich bis jetzt auf diese Weise noch nicht herumgedacht, weil ich mich hauptsächlich immer am B aufhänge. Ein schönes Wort, das im Moment für jedes und alles herhält und als magische Formel suggeriert, dass es da einen Trick gäbe, der dazu führt, ohne Abstriche sämtliche Anforderungen, die das Leben an uns stellt, besser, entspannter, müheloser, lockerer zu erfüllen und dabei zu genießen, gar im Bedarfsfall aus 24 Stunden 48 zu machen und uns dabei optimal wohl in unserer Haut zu fühlen. Die Sehnsucht danach kann ich gut verstehen. Sie ist wohl auch der wesentlich Erfolgstreiber für die dazu passenden, “richtigen” Produkte – Joghurt, leichte Schokolade, Balance-Kaffee ….

Auch die stärkste Wippe bricht irgendwann unter der Last an beiden Enden zusammen, wenn man zu viel draufpackt. Manchmal fragt mich jemand, wie er beidseitiges Übergewicht besser balancieren könne.

Erfüllung der Sehnsüchte? Das Leben ist nicht mühelos, ganz im Gegenteil. Und man kann auch nicht alles haben und dabei glücklich aussehen und alles im Griff haben. Und 24 Stunden lassen sich nicht durch Tricks verlängern. Und oftmals ist es so, dass die Entscheidung für etwas die Entscheidung gegen etwas anderes bedeutet. Wir sind Menschen und unterliegen Grenzen, die nicht dauerhaft überschreitbar sind. Oder wie Jo schrieb: “Man kann nun mal nicht vier Kinder großziehen, regelmäßig Freunde treffen, den Marathon unter 3:30 Stunden laufen und eine steile Karriere machen. ”



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Burnout, Balance und die Kasse klingelt


Im Moment überschlagen sich alle, um möglichst schnell auf den fahrenden Zug aufzuspringen. Insofern kann ich nur erneut davor warnen, Angebote, die irgendwie mit Burnout assoziiert werden, ungeprüft in Anspruch zu nehmen. Da es sich beim Burnout-Syndrom eben nicht um einen vergleichbar modischen Begriff wie Work-Life-Balance, Business Process Reengineering oder Customer Relationship Management handelt, sondern um eine ernstzunehmende Erkrankung, sollten Sie sich versichern, dass der Anbieter über seriöse Kompetenzen und Erfahrung in diesem Feld verfügt. Oder würden Sie einem Versicherungsberater, Telefontrainer, Unternehmensberater, IT-Dienstleister, .... Kompetenz für Ihre Diabetes-, Krebs- oder Herzinfarkt-Vorsorge zutrauen?

Ein Beispiel, das gerade zur Hand ist: der Artikel “Bewältigung des Burnout Syndrom durch „First-Class-Selbstmanagement“. Er endet mit einem m.E. in diesem Zusammenhang denkbar seltsamen Leistungsangebot:

“Treffen Sie ihre Entscheidung! Stehen Sie aktuell an einem Scheideweg oder möchten schon lange eine bestimmte Entscheidung treffen? Besonders wenn sie an der Globalisierung teilhaben möchten und Ihr Unternehmen in den asiatischen Raum expandieren möchte, ist ein “Alpha-Karma” Training ein muss. Profitieren Sie von einer Unternehmensberatung, Einzelcoaching und Mitarbeitertraining. Für manche Themen ist es gut, von einem unabhängigen Dritten Feedback zu erhalten, Geschäftsbeziehungen knüpfen zu lassen. Von einer höheren Warte aus die Dinge zu beurteilen, besser zu organisieren, aktiver in eigener Sache zu werden, einfach mal seine Wirkung auf andere Menschen zu erfahren und an und mit sich zu arbeiten das ist „First-Class-Selbstmanagement“!!!”

Einige Hinweise dafür, wie Sie mit Burnout-Prävention o.Ä. gelabelte Angebote prüfen können.
Seriöse therapeutische Angebote finden Sie u.a. hier

edit:
Und damit das noch mal aus einer anderen Perspektive drastisch deutlich wird:
Eine Person, die anders als Mediziner, Psychotherapeuten, Heilpraktiker nicht zur heilkundlichen Tätigkeit zugelassen ist und Heilungs- und/oder Bewältigungsversprechen abgibt, überschreitet ihre Kompetenz, hat keine Ahnung und steht mit 1,5 Füßen im Knast.



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Reinhard Sprenger über Workaholismus, Burn-out und den schädlichen Einfluß von Work-Life-Balance
15.02.2005, 10:18
abgelegt unter: Burn-out, Medien



Auf handelsblatt.com erschien ein Artikel von Reinhard Sprenger “Happy Workaholics”, der auch auf Burnout Bezug nimmt. Interessantes und diskussionswürdiges Gedankengut, das in etwa folgender Argumentation folgt: Workaholics können glücklich sein, wenn sie zu ihrem Streben ja sagen. Die Beschäftigung mit Work Life Balance-(Büchern) führe hingegen in die Unzufriedenheit und Unentschiedenheit zwischen den Lebensbereichen. Damit seien Ratgeber zur Balance der zerstörerische Auslöser.

Schlecht: Die Begriffe Workaholismus, Work Life Balance und Burnout werden munter gemischt und wie so häufig bestenfalls im managementumgangssprachlichen Sinne verwandt. Wieder mal das Sowohl-als-auch: Popularisierung von Begriffen führt dazu, dass mehr Menschen etwas über sie wissen, aber auch auch zur Verflachung der Diskussion.

Kostprobe:

“Burn-Out ist das Resultat schlechten Gewissens. Dabei weiß jeder doch, was er wirklich will: nämlich das, was er gerade tut. Sonst würde er ja etwas anderes tun. Schlechtes Gewissen ist also ziemlich unintelligent, es hindert an der inneren Entschiedenheit – ja zu sagen zu dem, was man gerade tut. Es ist also das Streben nach Balance, das zerstörerisch wirkt. Dann, wenn Norbert Müller sich einreden lässt, dass er eigentlich etwas anderes will. “



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Burnout und Ethik als Dienstleister im weitesten Sinne


Burnout!!! Burnout!!! Burnout!!!

Die Welle schwappt im Moment regelrecht über. Wie bei anderen Themen, die plötzlich in Mode geraten, mache ich mir auch diesmal Sorgen über die Entwicklungen auf “dem Markt”. Es gibt einen Punkt, an dem – durch das extreme Medieninteresse erwacht – plötzlich ganz viele die perfekte Welle sehen und aufspringen.

Und das ist genau der Moment, ab dem für Menschen, die einen Bedarf im modischen Themenfeld haben, die Transparenz aufhört. Das machte mir schon früher Sorgen, beispielsweise bei der CRM-Welle, bei der Prozessmanagement-Welle, bei der Reorganisationswelle, aber jetzt eben ganz besonders. Denn im Unterschied zu all diesen Erscheinungen haben wir es hier mit einer im fortgeschrittenen Erkrankung sehr ernstzunehmenden Erkrankung zu tun.

Umso schlimmer, wenn sich im Feld der Burnout-Dienstleistungen plötzlich Managementtrainer, Vertriebsprofis, Vitaminverkäufer, spirituell erfahrene Medien, Leistungsfähigkeitsgurus, Berater jeder Couleur, Work-Life-Balance-, Wellness-, Health- und Feng Shui-Experten, Psychotherapeuten, Allgemeinmediziner, Psychiater, Kliniken … wild durcheinandertummeln und dazu noch viele andere, die etwas leicht Verkäufliches wittern und zum Teil mit zweifelhaften Methoden agieren.

Beispiel für zweifelhafte Methoden:

Burnout-Test

Es gibt schon sehr lange seriöse Burnout-Messinstrumente. Ein namhafter, häufig eingesetzter und viel zitierter wissenschaftlicher Burnout-Test ist zum Beispiel das Maslach Burnout Inventar. Daneben gibt es im Internet eine Vielzahl von Tests, die frei zugänglich sind und im besten Fall beim Ausfüllenden ein Bewußtsein für seine derzeitige Situation schaffen. Im schlechtesten Fall sind sie einfach Humbug und richten Schaden an, weil sie Ängste schüren. Die dritte Variante, die ich hier als zweifelhaft bezeichnen möchte, sind “Burnout-Tests” unterschiedlicher Qualität auf Anbieterseiten, die den Ausfüllenden dazu veranlassen, seine Mailadresse anzugeben, “um sich eine Auswertung oder Diagnose schicken zu lassen” – also häufig Adressgenerierungsmaschinen für Akquisezwecke.

Wie also den richtigen Experten finden? Welche Maßstäbe anlegen?

Erste Grundregel: Eine vorliegende körperliche und/oder psychische Erkrankung gehört immer in die Hände eines fachkundigen Vertreters der Heilberufe! Die einzig adäquate Dienstleistung ist in diesem Fall Therapie.

Für Menschen, die sich (noch) nicht in einem Zustand mit Krankheitswert befinden oder dies nicht so genau wissen, kommen die übrigen Angebote infrage und sollten geprüft werden.

Der seriöse Anbieter

... wird im persönlichen Gespräch seine Qualifikation und Kompetenzen allgemein und speziell in bezug auf das Themenfeld Burnout rüberbringen können.

... sollte mit der Komplexität im Themenfeld Burnout angemessen umgehen können und nicht etwa leichte Wege, Tipps, Tricks, standardisierte “Du-mußt-doch-nur-”Checklisten verkaufen.

... wird nicht behaupten, DIE URSACHE für Burnout gefunden zu haben und DIE LÖSUNG auch. Schon gar nicht wird er Heils- oder Heilungsversprechen abgeben.

... sollte – als Voraussetzung dafür, seine Kompetenzen nicht zu überschreiten – über die fachliche Qualifikation verfügen, einschätzen zu können, ob eine Erkrankung vorliegt oder nicht. Anders gesagt: Er sollte in der Lage sein, sein Angebot sauber von der heilkundlichen Tätigkeit – Therapie – abzugrenzen und diese Grenzen einzuhalten.

... wird nicht den Anschein erwecken, alles alleine zu können. Insbesondere für den Fall, dass Burnout-Erkrankte seinen Rat suchen, sollte er bereit (Einnahmenentgang!) und in der Lage sein, diese in qualifizierte Hände zu übergeben. Im besten Falle unterhält er ein interdisziplinäres Netzwerk und kann Kooperationspartner aus anderen Bereichen benennen.

... sollte optimalerweise Spezialist sein. Burnout sollte nicht nur eines von vielen Themen im Anbieterportfolio sein und auch nicht als Kostümierung für etwas anderes (z.B. Tanztherapieworkshops, Kommunikationstrainings, Stressmanagement, Wellness- und Balance-Angebote) daherkommen.

... wird Sie über sein Angebot unverbindlich und kostenfrei informieren und Sie bei Ihrer Kaufentscheidung nicht drängen.

Scheuen Sie sich nicht, den Anbieter nach seiner Qualifikation und nach seinen Erfahrungen speziell in bezug auf Burnout zu fragen. Dabei wird sich sehr schnell herausstellen, ob er wirklich erfahren ist oder nur mal ein, zwei Bücher zum Thema gelesen hat. Und scheuen Sie sich nicht, NEIN zu einem Angebot zu sagen, wenn Sie Zweifel haben.



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Postbalance World
13.10.2004, 10:37
abgelegt unter: Allgemein



“It’s the central myth of the modern workplace: With a few compromises, you can have it all. But it’s all wrong, and it’s making us crazy.”

Ich weiß, dass die Auseinandersetzung mit dem Thema Work-Life-Balance neben mir mindestens einen Leser dieses Blogs sehr beschäftigt. Gedankenfutter hierzu bietet “Balance is Bunk”: Langer, aber knackiger Beitrag zum Thema Work Life Balance-Bewegung(via Stephan List). Für meinen Geschmack an manchen Stellen a little bit too much amazing, outstanding, great, success, strong will to contribute… – typisch amerikanische Schreibe. Trotzdem: Well done!

“But the balance movement is fatally flawed. For those of us trying desperately to keep up with everything that needs doing, it poses two mythical ideals. If we work hard enough at it, one goes, we can have everything. Or if we cut back, we can have just enough to be truly content. The first obliges us to accomplish too much, often at too high a price; the second doesn’t let us accomplish enough. Either way, balance is a relic, a fleeting phenomenon of a closed, industrial economy that doesn’t apply in a global, knowledge-based world.

There’s a better way to think about all this, one that requires us to embrace imbalance. Instead of trying to balance all of our commitments and passions at any one time, let’s acknowledge that anything important, and anything done well, demands our full investment. At some times, it may be a demanding child or an unhappy spouse, and the office will suffer. At others, it may be winning the McWhorter account, and child and spouse will have to fend for themselves. Only over time can we really balance a portfolio of diverse experiences.

For now, the balance mania persists: Media mentions have soared in the past five years, and executive coaches say their clients are as consumed by the problem as ever. Employers, meanwhile, are trying desperately to say the right things: Accenture, the big professional-services firm, knows “how important it is for our employees to strike a balance between their work and personal lives.” Google offers workers a slew of benefits (On-site dental! Dry cleaning!) billed as “balance enhancers.”

Ein Gedanke daraus, der mich an das Gespräch mit den BUKO-Workshop-Teilnehmern erinnert:

“Obvious enough, isn’t it? Life is about setting priorities and making trade-offs; that’s what grown-ups do. But in our all-or-nothing culture, resorting to those sorts of decisions is too often seen as a kind of failure. Seeking balance, we strive for achievement everywhere, all the time—and we feel guilty and stressed out when, inevitably, we fall short.”



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