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Erfahrungsbericht: Unter Druck. Zahnarzt (35)

Ich arbeitete seit anderthalb Jahren als Zahnarzt in einer größeren Praxis. Obwohl ich meinen Job verdammt gerne und verdammt gut machte, belastete er mich stärker als ich jemals erwartet hätte. Ich hatte viele sehr ängstliche Patienten und das brachte mich extrem in Druck. Je angespannter ein Patient war, desto mehr ich auch und desto schwerer fiel mir das Arbeiten.

Ich dachte, vielleicht bin ich zu emotional für diesen Job, weil ich jedes Mal mitleide und die Person auf keinen Fall noch mehr verängstigen oder ihr Schmerzen zufügen möchte, aber trotzdem irgendwie meine Arbeit machen muss.

Ich war verspannt, ständig nervös, hatte Schlafstörungen und depressive Gedanken. Hunger hatte ich auch keinen mehr. Da ich außerdem einen täglichen Arbeitsweg von über zwei Stunden hatte, kam es mir manchmal so vor, als ob ich nur noch für meine Arbeit existiere. Dann verließ mich auch noch meine Freundin. Ich war am Ende. Ich wollte etwas verändern und bat meinen Chef, meine Arbeitszeit zu reduzieren. Leider hatte er kein Verständnis und machte mir klar, dass er unter diesen Umständen nicht daran interessiert ist, weiter mit mir zusammenzuarbeiten. Seit diesem Tag ging es mir dann erst richtig schlecht bei der Arbeit, obwohl ich kaum vermutet hätte, dass es da noch eine Steigerung gibt.

Mein Chef redete vor dem übrigen Personal und sogar vor Patienten schlecht über mich. Man mied mich, wo es nur ging. Jetzt war ich privat und beruflich isoliert. Nach einer Weile konnte ich einfach nicht mehr und ließ mich krank schreiben (Diagnose Erschöpfungssyndrom). Die erste Woche tat gut - einfach nur raus und hängen lassen - aber regenerieren konnte ich mich irgendwie nicht. Ich war danach noch genauso platt wie vorher. Also ließ ich mich weiter krankschreiben. In dieser Woche entschied ich mich zu kündigen und eine Auszeit zu nehmen. Kündigen mit ungewisser Zukunft war leichter für mich als unter diesen Umständen weiterzuarbeiten.

Ich tat ein Vierteljahr gar nichts und ließ mich total hängen. Ich interessierte mich überhaupt nicht mehr für meinen Beruf und auch für sonst nichts. Irgendwann bei einem Bierchen überwand ich mich und machte bei einem Freund und Kollegen eine Andeutung über meine Schwierigkeiten. Die größte Überraschung war für mich, dass er sich in vielen Punkten ähnlich fühlt wie ich. Wir begannen darüber zu diskutieren, mit welchen Techniken man Angst bei Patienten reduzieren könnte und das brachte die Kehrtwende.

Heute bin ich in einer Praxis in meiner Nähe beschäftigt und sehr zufrieden mit meiner Arbeit. Die phobischen Patienten bekomme ich, denn mittlerweile bin ich nicht nur spezialisiert auf den Umgang mit Menschen mit Zahnbehandlungsangst, sondern habe auch ein funktionierendes eigenes Stressbewältigungssystem aufgebaut. Ich kenne meine persönlichen Grenzen und überschreite sie nicht mehr. Es war eine üble Zeit vorher, die mich aber auch viel weiter gebracht hat. Ich habe viel dazugelernt, nicht nur durch die fachliche Weiterbildung, sondern auch über mich und dass man sich selbst wertschätzen und wichtig nehmen soll. Wenn man das selbst nicht tut, wer denn dann? Manchmal braucht man anscheinend Zwangslagen, um Veränderungen anzupacken. Wäre das alles nicht so gewesen, wäre ich wahrscheinlich immer noch in dieser fürchterlichen beruflichen Situation.

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